Sonntag, 27. Juli 2014

Kritischer Blick auf die Textilindustrie

Vorneweg, ich bin für fair produzierte Kleidung, kaufe selten was neues (Meine Kinder haben 80% selbstgenähtes oder mehr, 10% Flohmarkt und nur Socken und Unterwäsche (okay hin und wieder ein Shirt mit Aufdruck eines Lizenzproduktes) sind neu gekauft.

Ich bin gestern über diese Dokumentation gestolpert

Darin werden die Zustände in Bangladesh gezeigt, die Müllberge, die WIR dort verursachen. Auch werden darin die reinen Produktionskosten eines “normalen” Baumwollshirts aufgezeigt.

Klar es gibt auch Bio-Baumwollshirts bei den meisten großen Handelsketten (eine davon hat meistens alle 3 Wochen –20% auf alles, da kriegt man dann ein Shirt für 3,2€ statt 4€.

Doch es sagt nichts darüber aus ob und die die Stoffe gefärbt wurden, wie die Näherin behandelt und bezahlt werden. Lt Bericht verdienen sie 32€ pro Monat (bitte da geben wir ja mehr jeden Tag aus), und ja man kann das Lohnverhältnis nicht mit uns vergleichen, aber auch die Arbeiterinnen sagen, dass sie davon nicht leben können.

Wenn die Kosten für ein Shirt nur minimal gesteigert würden, könnten die Arbeiterinnen von ihrer Arbeit auch leben.

Wie gesagt ich bin FÜR fair produzierte und verkaufte Kleidung. Bei mir kommt aber noch das Größenproblem dazu, denn mit Größé 48 gibt es wenig Händler, die überhaupt etwas verkaufen und noch viel weniger Mode, die mir gefällt (auch ein Hauptgrund warum ich viel selbst nähe).

Ich weiß, Primark ist böse und steht für billig, billiger und noch billiger. Es kaufen die meisten, die dort einkaufen relativ viel auf einmal ein.

Allerdings hat sich mein lieber Ehemann die Mühe gemacht mal zu rechnen. (ich zitiere von hier aus den Kommentaren):

Primark-Filialen in Ö: 3
H&M Filialen in Ö: 70
-> Es kommen ca. 2,82 Mio Einwohner auf eine P-Filiale und nur 0,12 Mio auf eine H&M-Filiale.
Auf knapp 28.000 km² kommt eine P-Filiale. eine H&M-Filiale versorgt knapp 1.200 km².

Hier sieht man, dass die Möglichkeit zu einem Primark zu kommen wesentlich geringer ist. Dadurch kauft man bei einem Einkauf natürlich eine größere Menge an Kleidung. Man kommt ja nicht so oft dort hin. Noch dazu sind die Shops eher außerhalb.

H&M findet man fast an “jeder 2. Ecke”. Dort kauft man heute mal ein Leibchen. Übermorgen eine Hose und nächste Woche ein Set Unterwäsche. Diese kleinen dezenten Einkaufstaschen fallen nicht so auf im Gegensatz zu den großen Primark-Säcken. Hier wird man Opfer einer Momentaufnahme.

Wir sind ja alle miteinander nicht blöd und wissen, dass auch teure Marken genau dort produziert werden und ja das einzige was sich für mich ändert ist die Gewinnspanne der Unternehmen.

Hier auch ein Beitrag den ich sehr interessant finde

Wir müssen einfach aufhören dauernd neue Sachen haben zu wollen (im Beitrag hört man, dass eine Näherin 200 T-Shirts pro Tag näht). Ist das wirklich notwendig.

Es gibt in Österreich und Deutschland genug Menschen, die es sich nicht leisten können (ich rede jetzt tatsächlich von können und nicht wollen), in Fairtradeshops einzukaufen. Bis zu einer gewissen Größe geht es ja noch leicht für Kinder auf Flohmärkten einzukaufen aber spätestens bei Größe 128 ist Ende.

Bei Frauenkleidung ist meistens bei 42 Ende.

Ganz ehrlich, ich stehe dazu, dass ich auch mal bei Primark einkaufe. Qualitätsmässig kann ich behaupten, dass die Kleidung nicht schlechter ist oder minderwärtiger als H&M oder C&A oder Esprit. Wie sollte das auch gehen, wenn alles in den selben Fabriken hergestellt wird. Und im Gegensatz zu H&M und C&A passen mir die Primark-Sachen wesentlich besser (was bei Größe 48 auch eine große Rolle spielt, denn ich kann eben nicht alles überwerfen, denn die meisten Sachen haben unmögliche Muster oder sind so sackartig, dass ich tatsächlich einen Erdäpfelsack anziehen könnte)

Übrigens habe ich noch etwas gelernt aus der Doku, denn ich dachte eigentlich dass nur die Näharbeit von Menschen “erledigt” wird, aber es ist ja alles Handarbeit, ich dachte das Zuschneiden erledigen mittlerweile Laser.

Ja stimme Nunu zu, WIR müssen umdenken. WIR müssen aufhören jedem Trend nachzulaufen und alles haben zu wollen. Und jeder muss bei sich selbst anfangen.

Ich steh derzeit wirklich vor einem fast leeren Kleiderschrank und hab tatsächlich fast nichts anzuziehen (soviel zum Thema mit vollem Kasten ist gut sti.ken).

Primark hat sich übrigens auch zur Detox-Kampagne von Greenpeace bekannt.

Und zum Schluß noch ein ganz entscheidener Satz:

ICH BIN NICHT DAFÜR DASS ALLE IHRE PREISE SENKEN SOLLTEN, SONDERN DAFÜR DASS DIE PREISE STEIGEN, DENN ALLE MENSCHEN SOLLEN VON IHRER ARBEIT LEBEN KÖNNEN (WAS JA AUCH OFT BEI UNS NICHT FUNKTIONIERT), SOLANGE SICH ABER NICHTS DARAN ÄNDERT, FINDE ICH PERSÖNLICH ES ABER “BESSER” BEI UNTERNEHMEN EINZUKAUFEN WO MAN NICHT NUR DEN NAMEN BEZAHLT SONDERN EBEN DER REINGEWINN DER FIRMA GERINGER IST.

Das es dabei nicht fair zugeht ist mir klar, weder in der Herstellung der Rohstoffe noch in der Produktion. Aber wie bereits oben geschrieben liegt das hauptsächlich an uns Europäern.

Das ist rein subjektiv meine Sicht der Dinge.

1 Kommentar:

  1. Ich habe auch schon einige solcher Dokus gesehen und ich bin bei meiner Kaufwahl auch kritischer geworden!
    Ich liiiebe Flohmärkte und kaufe extrem gerne aus 2. Hand! Und ich versuche immer mehr selbst zu nähen!
    Lg Claudia

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Ich freu mich, wenn ihr mir was schreibt

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